Gewichtsdecken – Hilfe bei der Stressbewältigung?

Seit ein paar Jahren hält sich der Trend der Gewichts- bzw. Therapiedecke. Es gibt sie in verschiedenen Gewichtsgrößen von 4 kg für Kinder und zwischen 6-12 kg für Erwachsene.
Alle Gewichtsdecken enthalten stabile Glas-, Metall- oder Kunststoff-Perlen in unterschiedlicher Größe.
Bei der hochwertigsten und auch teuersten Decke ist die Füllung am feinsten – damit verteilt sich das Gewicht der Decke gleichmäßig auf den Körper. Gewichtsdecken sollen Menschen in stressigen Lebensphasen helfen, besser zu schlafen und zur Ruhe zu kommen. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, wird empfohlen, eine Decke zu kaufen, die etwa 10% des eigenen Körpergewichts ausmacht.

Doch in welchem Zusammenhang steht das Liegen unter einer schweren Decke mit Entspannung und Schlaf?

Selbst in warmen Nächten brauchen viele Menschen das Gefühl, zugedeckt zu sein. Wenn nicht ein gewisses Gewicht auf ihnen lastet, fühlen sie sich schutzlos und können nicht gut (ein-)schlafen. Prof. Martin Grunwald, der das Haptik-Forschungslabor der Universität Leipzig leitet, sagt: „Menschen sind letztlich nesthockende Säugetiere und Alleinsein macht sie krank.“ Eine Gewichtsdecke gibt uns beim Zudecken das Gefühl, geborgen und gut aufgehoben zu sein. Das Gewicht, das auf dem Schläfer lastet, verankert ihn quasi im Bett und löst ein Sicherheitsgefühl aus. Das wiederum animiert den Körper das Glückshormon Serotonin, das Kuschelhormon Oxytocin sowie das Schlafhormon Melatonin auszuschütten. Auf diese Art und Weise ist ein glücklicher und erholsamer Schlaf
quasi vorprogrammiert.

Wichtig ist dabei das richtige Gewicht der Decke. Sie darf weder zu leicht und dadurch weniger wirksam noch zu schwer und damit unangenehm sein.

Die klassischen Indikationen einer Gewichts- oder Therapiedecke sind Stress, Nervosität und Angststörungen sowie Einschlaf- und Durchschlafprobleme. Ebenso zum Einsatz kommt die Gewichtsdecke, wenn Menschen nach der Arbeit nicht richtig abschalten können. Auch bei ADHS, der Autismus-Spektrum-Störung, der Demenz, Depressionen sowie bei bestimmten Schmerzen soll ihre entspannende Wirkung von Vorteil sein. Wer eine Gewichtsdecke gegen Symptome einer Grunderkrankung einsetzen möchte, sollte das jedoch sicherheitshalber mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abstimmen. Der Schlafmediziner Prof. Ingo Fietze ist jedenfalls mehr als skeptisch, wenn für eine generell bessere Schlafqualität durch Gewichtsdecken geworben wird. „Jeder Mensch dreht sich im Schlaf 5- bis 25-mal”, sagt Fietze, der das Interdisziplinäre Schlafmedizinische Zentrum an der Berliner Charité leitet. „Sensible und schlechte Schläfer werden dabei mit einer Gewichtsdecke jedes Mal wach.” Für erholsamen Schlaf ist das Hin- und Herdrehen, ohne wach zu werden, aber wichtig. “Die Körperrotation unter der Decke muss noch möglich sein”, sagt auch Haptik-Professor Grunwald.

Füße einer schlafenden Frau schauen unter der weißen Bettdecke hervor

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