Maiglöckchen versus Bärlauch

Jedes Jahr im Frühling, nachdem Schneeglöckchen und Krokus geblüht haben, kommen ab April Maiglöckchen und Bärlauch zum Vorschein. Viele Naturliebhaberinnen und -liebhaber gehen nun gerne in Parks und auf Waldlichtungen, um Bärlauch zu pflücken. Immer wieder kommt es dann zu Fällen von Vergiftungen durch vermeintlichen Bärlauch, der sich im Nachhinein als Maiglöckchen herausstellte. Solange weder das Maiglöckchen noch der Bärlauch blühen, sehen sich die Blätter beider Pflanzen nämlich zum Verwechseln ähnlich. So passiert es schnell, dass statt dem schmackhaften Bärlauch, die Blätter des giftigen Maiglöckchens gepflückt werden. Die Blätter, sowie das gesamte Maiglöckchen, enthalten unter anderem die giftigen Glycoside Convallatoxin, Convallatoxol, Convallosid und Desglucocheirotoxin. Schon bei äußerem Kontakt mit dem Pflanzensaft während des Pflückens kann es zu Haut- und Augenreizungen kommen. Beim Verzehr von Pflanzenteilen wie den Blättern treten Übelkeit, Durchfall, Herzrhythmusstörungen, Schwindel und Brustbeklemmungen auf. Zuerst steigen der Blutdruck und die Pulsfrequenz an, gefolgt von einem Abfallen des Blutdrucks und einer langsamen Atmung mit evtl. anschließendem Herzstillstand.

Der Bärlauch gehört zu der Pflanzengattung der Lauchgewächse und ist somit verwandt mit Schnittlauch, Zwiebel und Knoblauch. Der charakteristische Knoblauchgeruch stammt von dem Aminosäurestoffwechselprodukt Allicin, dessen Gehalt mit dem Trocknungsgrad zunimmt. Der Bärlauch ist wohl die bekannteste essbare Wildpflanze in Deutschland, neben dem Löwenzahn und dem Gänseblümchen. Im Mittelalter war der Bärlauch als Heilpflanze wegen seiner antibakteriellen Wirkung gegen Gärungsdyspepsien sowie als Carminativum bekannt. Der Bärlauch wurde zudem als Antihypertonikum und Antiarteriosklerotikum eingesetzt. Diese Einsatzbereiche sind heutzutage aber eher unbekannt.

Trotz der leichten Identifikation durch den knoblauchartigen Geruch, der beim Reiben der Blätter entsteht, wird Bärlauch von unerfahrenen Sammlern immer wieder mit dem Maiglöckchen verwechselt. Neben dem Geruch ist die Blattunterseite eine weitere Möglichkeit zur Unterscheidung des Bärlauchs vom giftigen Maiglöckchen. Beim Bärlauch ist die Blattunterseite immer matt. Im Gegensatz dazu weist die Blattunterseite des Maiglöckchens einen Glanz auf. Die Blätter des Bärlauchs haben einen langen dünnen Stiel, wohingegen die des Maiglöckchens breit und wesentlich kürzer sind.

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