´Kama muta` ist eine starke emotionale Erfahrung, die als „Mit-Emotion“ beschrieben werden kann. Der Begriff stammt aus der hinduistischen Spiritualität bzw. aus der indischen Literatur- und Gelehrtensprache und bedeutet übersetzt so viel wie „von Liebe bewegt“.
´Kama muta` beschreibt die plötzliche, intensive emotionale Reaktion, die typischerweise durch herzerwärmende Situationen, Verbundenheitsmomente, gemeinsame feierliche Ereignisse, berührende Musik etc. ausgelöst wird. Es handelt sich dabei um eine Intensivierung des Gefühls von Ergriffenheit, Verbundenheit und Liebe, den kaum zu beschreibenden Zustand des tiefen seelischen Berührt-seins.
Dieses besondere ´Mit-Gefühl` äußert sich in deutlichen körperlichen Reaktionen wie Tränen der Rührung, Gänsehaut und ein Empfinden von Wärme.
´Kama muta` bedingt die Fähigkeit zur Empathie und fördert sie zugleich. Nicht zuletzt die Filmindustrie nutzt Mittel und Wege bzw. rührende Szenen, um den Zuschauer emotional mitzureißen.
Ob als ZeugIn eines lang ersehnten Wiedersehens oder als ZuhörerIn einer emotionalen Hochzeitsrede – ´Kama muta` beschreibt den ergriffenen und gerührten Zustand, in den wir geraten, auch wenn wir nur partizipieren und nicht die Hauptakteure sind.
Das intensive Gefühl der Verbunden- und Ergriffenheit wird durch das Erleben einer gesteigerten Zunahme von Liebe und Gemeinschaftsgefühl mit Menschen, Tieren oder Gruppen erlebt. ´Kama muta` bedeutet Mitgefühl, Vertrauen, Solidarität und damit die Stärkung von Beziehungen innerhalb sozialer Verbindungen. Man erlebt ein Gefühl des Eins-Seins und einer tiefen mitfühlenden Zuneigung.
Insbesondere familiäre Bindungen werden durch ´Kama muta` und damit durch das Gefühl dieser besonderen Ergriffenheit gefestigt. Das neugeborene Enkelkind zum ersten Mal auf dem Arm halten, die ersten Schritte des Sohnes oder auch das erste „Mama“ der Tochter, lassen uns wohl alle dieses tiefe „Gerührt-Sein“ verspüren, das wahrhaftig „durch und durch geht“.
Unsere emotionale Offenheit und der Zugang zu unserem
(Mit-)Gefühl schaffen zudem Raum für Solidarität und Akzeptanz. Die Wichtigkeit dieser Aspekte lässt sich gerade in der heutigen Zeit nicht von der Hand weisen.
Wie wir über Menschen denken oder bestimmten Situationen begegnen, kann durchaus über ´Kama muta`-Erfahrungen beeinflusst und verändert werden. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird diese besondere Emotion als Bestandteil des menschlichen sozialen Daseins in der Forschung intensiv untersucht.
Das tiefe Mit- und Zugehörigkeitsgefühl kann eine echte Chance darstellen, zum Beispiel Fremdenhass oder Angst vor und Ablehnung von anderen Lebewesen oder ähnliches zu verhindern. Wenn man Anteil nimmt an Biographien oder Lebensformen und mitfühlend und emotional ergriffen eintaucht in die jeweilige Lebenswelt, kann durch das Miterleben, das Mit-Fühlen, Verständnis und echte Anteilnahme entstehen.
Vielmehr als die Filmbranche tragen die öffentlichen Medien und Social Media nicht nur dazu bei, sondern eine große Verantwortung für das soziale Miteinander in der Gesellschaft. Wenn Menschen wieder das Gefühl des Miteinanders als Menschen erleben, weil sie von den Lebenswegen der Anderen, des Anderen berührt werden und ergriffen sind, dann spielen Herkunftsunterschiede keine Rolle mehr. Wir gehen nicht mehr gegeneinander vor, sondern spüren wieder, dass wir als Menschen besonders sind und in der Gemeinschaft eine Stärke bilden!
Auch Tierliebe bzw. das tiefe Verbundenheitsgefühl mit allen Lebewesen dieser Erde und der respektvolle Umgang mit unserer Natur kann nicht zuletzt durch mediale Beeinflussung positiv (oder auch negativ) getriggert werden.
Das Video eines Haiangriffs löst bei uns Angst und Abneigung gegenüber diesem Tier aus, obwohl wir mittlerweile wissen, dass Haie per se KEINE angreifenden „Monster“ sind.
Die klassischen „süßen“ Katzenvideos hingegen vermitteln das Gefühl von Entzücken und Zuneigung. Jeder, der eine Katze besitzt, weiß aber vermutlich ebenfalls, dass dieser Samtpfoten-Frieden auch nicht der ganzen feliden Wahrheit entspricht. 🙂
Insbesondere in der Weihnachtszeit werden wir von der Werbung intensiver berührt als im gesamten Jahr. Zielt sie nicht letzten Endes auch auf ´Kama muta` ab, darauf, uns durch extreme emotionale Rührung hilfsbereiter zu machen. Auch die einschlägigen Spendenaufrufe mit entsprechenden rührenden Bildern finden vorwiegend in der Weihnachtszeit statt. ´Kama muta` und damit unsere Fähigkeit zu tiefer Ergriffenheit bringt uns dann dazu, dementsprechend zu reagieren.
Das eigentliche Gegenteil von ´Kama muta` ist die bereits in einem vorigen Blogbeitrag beschriebene Anhedonie, die Gefühlsarmut und Freudlosigkeit. Als negatives Pendant zu ´Kama muta` könnte man aber auch einen plötzlich eintretenden kollektiven Ekel oder eine gemeinschaftliche tiefe Abneigung und Wut betrachten. Verbreitete Aufnahmen, die zum Beispiel zeigen, wie ein Mensch in eine Menschenmenge rast, lösen selbstverständlich ein kollektives Entsetzen und eine nachvollziehbare gemeinschaftliche Wut auf diesen Menschen aus. Das Übertragen dieser Wut auf seine und damit grundsätzlich DIESE Staatsbürgerschaft allerdings, wäre dabei jedoch eine unreflektierte, ungerechtfertigte Ableitung.
Wenn wir uns bewusst machen, wie leicht wir bzw. unsere Gefühlswelt beeinflussbar sind, dann stehen wir medialen Übermittlungen skeptischer gegenüber und reflektieren das in uns ausgelöste, tiefe Gefühl, ob es nun extrem positiv oder auch negativ ist.
Wir Menschen als soziale Wesen sind wunderbarerweise jederzeit zu tiefgehenden Emotionen in der Lage. ´Kama muta` stellt dabei die wahrscheinlich tiefste positive Gefühlsform dar. Sie lässt uns allgemein liebevoller mit unseren Mitmenschen und Mit-Tieren umgehen.
Letztlich bringt uns diese besondere Ergriffenheit selbst jedes Mal aufs Neue wieder zurück zu unserer eigenen schönen Seele. Und das ist nicht nur gut, sondern essenziell für unser psychisch gesundes, soziales Dasein als Mensch.
Außerdem ist es doch unfassbar schön, dieses uns plötzlich überwältigende „Kribbeln im Bauch“, bei dem man fast „überschäumt vor Glück!“
Verpassen Sie im Kontext unserer menschlichen Gefühlswelt auf keinen Fall unsere
Fernlehrgänge aus dem Fachsektor der Verhaltenswissenschaften.



c.hinterseher-Wissen!
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