Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) & das Medikament GS-441524

Die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) war lange ein nahezu sicheres Todesurteil für Katzen, heute ist sie in vielen Fällen behandelbar, wenn sie früh erkannt und konsequent therapiert wird. Im Mittelpunkt steht dabei häufig das Medikament GS-441524, ein antiviraler Wirkstoff aus der Gruppe der Nucleosid-Analoga. Gleichzeitig kursieren viele Halbwahrheiten gerade rund um die Frage, wie man in Deutschland legal an dieses Therapeutikum gelangt.

Was ist FIP überhaupt?

Viele Katzen tragen das Feline Coronavirus (FCoV) in sich, oft ohne ernsthaft krank zu werden (maximal milder Durchfall). FIP entsteht meist nicht durch eine Ansteckung mit „dem FIP-Virus“, sondern wenn das Coronavirus im Körper der Katze mutiert und dann bestimmte Immunzellen, vor allem Makrophagen, nutzt, um sich im Körper zu verbreiten. Das führt zu einer systemischen Entzündungsreaktion mit Gefäßschädigung, daher die typischen Ergüsse (Ascites) / Granulome.

Bei der FIP werden vier Formen unterschieden:

  • Feuchte FIP: Flüssigkeitsansammlungen in Bauch und / oder Brustraum mit den Symptomen eines erhöhten Bauchumfanges, Atemnot und Apathie
  • Trockene FIP: Entzündliche Knoten / Granulome in Organen. Zu den Begleiterscheinungen gehören hier Gewichtsverlust, Fieber, aber auch unspezifische Symptome
  • Oculäre FIP: Entzündung im Auge und in der Folge Verfärbung der Iris mit Sehstörungen
  • Neurogene FIP: ZNS-Beteiligung, Ataxie, Krampfanfälle usw.

Die Diagnose ist mitunter knifflig, denn es gibt nicht den einen „FIP-Schnelltest“, der alles eindeutig macht. TierärztInnen kombinieren meist klinische Anzeichen mit bestimmten Blutwerten sowie einer Ergussdiagnostik (bei Feuchter FIP).

Nun aber zu der Frage, was ist GS-441524 und warum hilft es?

GS-441524 ist ein Nucleosid-Analogon, das die Virus-RNA-Vermehrung stört. Beim Kopieren des viralen Erbguts baut die Viruspolymerase das Analogon ein und die Replikation läuft damit fehlerhaft bzw. kommt ins Stocken. Dadurch kann sich das Virus deutlich schlechter vermehren.

GS-441524 gilt als Hauptmetabolit bzw. eng verwandter Wirkstoff im Kontext von Remdesivir. In der FIP-Therapie werden je nach Land und Verfügbarkeit Remdesivir oder GS-441524 genutzt. Die Verabreichung kann oral oder als Injektion erfolgen.

Die Studienlage und klinische Erfahrung der letzten Jahre zeigen, mit passenden antiviralen Protokollen sind hohe Überlebens- und Remissionsraten möglich, auch wenn Details wie optimale Dauer der Medikation, Dosisstrategien und Monitoring weiter verfeinert werden.

Entscheidend für den Therapieerfolg sind dabei mehrere Bausteine:

  • Therapiedauer in vielen Protokollen über mehrere Wochen, klassischerweise hat sich bis jetzt eine Dauer von 84 Tagen bewährt
  • regelmäßige Kontrollen von Gewicht, Temperatur, Blutbild und ggf. Ultraschall
  • auf Rückfälle achten; Rezidive sind möglich und machen eine tierärztliche Neubewertung nötig
  • Resistenz- / Therapieversagen sind zwar selten, aber relevant; falsche Dosierungen oder Qualitäten erhöhen das Risiko

Ein Wehrmutstropfen bleibt zudem: GS-441524 ist bisher in Deutschland nicht als Tierarzneimittel zugelassen. Trotzdem ist es PatientInnenbesitzerInnen möglich, das Medikament für betroffene Katzen zu beziehen. Wichtig dabei ist jedoch zu wissen, dass es TierärztInnen nicht gestattet ist, das Therapeutikum selber zu verabreichen oder in ihrer Praxis an PatientInnenbesitzerInnen abzugeben. In den letzten Jahren hat sich eine Community engagierter Katzenfreundinnen und -freunde gebildet, die, sich in einem Graubereich bewegend, das Medikament GS-441524 privat in größeren Mengen aus dem Ausland beziehen und an hilfesuchende BesitzerInnen abgeben. Manche Tierarztpraxen haben hier auch Kontakte und können bei Bedarf vermitteln, ansonsten lassen sich entsprechende Personen auf FIP-Informationsseiten im Internet finden. Es steht außer Frage, dass sich Betroffene mit dieser Vorgehensweise einem nicht kalkulierbaren Risiko aussetzen, denn die Qualität der Medikamente unterliegt somit nicht dem deutschen Standard und kann auch nicht durch die Tierärztin oder den Tierarzt beurteilt werden. Es obliegt alleine den Besitzern betroffener Katzen, ob sie diesen Weg gehen möchten.

Es bleibt zu hoffen, dass GS-441524 doch irgendwann den Weg durch entsprechende Zulassungskaskaden in die deutschen TierärztInnen-Praxen findet und TierbesitzerInnen sich nicht länger in gesetzliche Graubereiche begeben müssen. Zudem können an FIP erkrankte Katzen sehr gut alternativmedizinisch unterstützt werden mit einer Kombination aus Symptom-mildernden Therapeutika als auch antiviral wirkenden Pflanzenwirkstoffen.
Die prominentesten Praxiskonzepte zur unterstützenden Therapie stellen wir in unseren zwei Seminaren
Infektiologie FIP – Feline Infektiöse Peritonitis und
Infektiologie FIP – Feline Infektiöse Peritonitis II vor.

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