Fleischverzehr – ja oder nein?

Im internationalen Vergleich isst Deutschland tendenziell mehr Fleisch als viele asiatische und osteuropäische Länder, aber weniger als einige andere westeuropäische Länder wie Frankreich oder Italien. Die Fleischmenge pro Kopf in Deutschland ist im mittleren bis oberen Bereich unter den europäischen Ländern, liegt aber noch unter dem hohen Niveau einiger skandinavischer Länder.

Bei uns in Deutschland gehört Fleisch zu unserer Mahlzeit größtenteils noch dazu. Dabei bleibt es nicht nur bei dem „guten alten Sonntagsbraten“. In vielen Haushalten wird Fleisch täglich konsumiert. Ob als Bestandteil des Mittagessens, als Snackvariante in Schule und Büro oder als Brotaufschnitt beim Abendbrot. Ohne Fleisch geht für viele nichts.

Insbesondere unter den Heranwachsenden, und hier vor allen Dingen den männlichen Jugendlichen, ist Fleisch die „einzig richtige Nahrung“. Gemüse, Körner und Co. werden allzu oft verschmäht, denn man wird davon „nicht satt“ und „schmecken tut das alles auch nicht“.

Aber ist das vermeintlich kraftbringende Nahrungsmittel Fleisch wirklich so nahrhaft und gesund? Benötigen wir Fleisch allen Ernstes um uns ausgewogen zu ernähren? Fest steht, der Mensch gehört zu den omnivoren Lebewesen – wir sind also Allesfresser.


Mittlerweile wird der Fleischkonsum aber weltweit aus kulturellen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gründen diskutiert. Neben Nährstoffen liefert Fleisch nämlich auch bioaktive Bestandteile, deren Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt fortwährend erforscht werden.

Generell stellt Fleisch in unserer Ernährung eine für uns wichtige Proteinquelle dar.

Hochwertige Proteine liefern uns essentielle Aminosäuren, wobei der Proteingehalt und die weiteren Inhalts- und Nährstoffe je nach Fleischart variieren.

Hinzukommt, dass das ebenfalls in Fleisch beinhaltete Eisen als Hämeisen vorliegt, welches besser resorbierbar und somit bioverfügbarer ist als Nicht-Hämeisen. Auch das für uns wertvolle Vitamin B12 kommt nahezu ausschließlich in tierischen Produkten vor. Zudem ist Fleisch Quelle für Selen, Zink, Niacin und andere Mikronährstoffe.


In kontrollierten Mengen stellt der Fleischverzehr also durchaus einen sinnvollen Teil einer ausgewogenen Ernährung dar.

Es gibt aber auch Negativmeldungen, die den Verzehr von Fleisch betreffen.
Neben den Umwelt- und Tierschutzaspekten im Zusammenhang mit Landnutzung, Treibhausgasen oder auch dem Antibiotikaeinsatz als relevante Gegenargumente, können gesättigte Fettsäuren und der Kaloriengehalt im Fleisch Herz-Kreislauf-Risiken bergen, wobei Cholesterin- und gesättigte Fettsäureanteile je nach Tierart, Schnitt und Zubereitung stark variieren.

Verarbeitetes Fleisch ist zudem mit höheren Risiken durch Nitrate / Nitrite, Salz und potenziell schädlichen Zusatzstoffen verbunden.


Der Langzeitkonsum großer Fleischmengen wird außerdem mit erhöhten Risiken für bestimmte Krebsarten in Zusammenhang gebracht.

Grundsätzlich gilt auch beim Fleischverzehr letztlich wieder einmal die Regel, dass das Maß entscheidend ist. Man sollte sich für eher magere Fleischsorten entscheiden und die Portionsgrößen moderat halten. Verarbeitete Fleischprodukte sind bestenfalls einzuschränken oder gänzlich zu meiden.

Fleisch ist also per se nicht ungesund, nur eine zu große Menge kann tatsächlich zu erheblichem Schaden führen. Außerdem spielt die Art des Fleisches eine Rolle und die Tatsache, inwiefern es bereits verarbeitet wurde.

Neben den bereits erwähnten Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann der „falsche“ Fleisch-„Genuss“ zu Dickdarmkrebs, Diabetes Typ 2 und einer pathologischen Leber- und Nierenbelastung führen.

Man sollte grundsätzlich eine vielseitige Ernährung bevorzugen. Fleisch kann dazugehören, pflanzliche Proteinquellen, wie Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse etc. können es aber, und zwar gleichermaßen, ersetzen.

Weltweit gibt es schätzungsweise mittlerweile mehrere Hundertmillionen Menschen, die sich stark fleischreduziert bis hin zu vegan ernähren.


In vielen Industrieländern beobachten Forscher den Trend zu einer vorwiegend pflanzenbasierten Ernährung, teils aufgrund gesundheitlicher Bedenken, aber auch durch ein verändertes Umweltbewusstsein und den Tierschutzgedanken.


Im Durchschnitt der letzten Jahre lag der Anteil der Vegetarier in Deutschland ungefähr bei 4-5 Prozent der Bevölkerung.

Tatsächlich hat sich auch die Industrie dem Thema der fleischlosen Proteinnahrung angenommen, so dass es mittlerweile in den Discountern zahlreiche Produkte gibt, die teilweise zwar optisch sogar noch an ein Stück Fleisch erinnern, in Wirklichkeit aber gänzlich fleischlos sind.


Heutzutage lässt sich die fleischlose Ernährung viel leichter umsetzen als noch vor zwanzig Jahren. Es gilt dabei darauf zu achten, dass man sich alternativer Proteinquellen bedient. Wichtige Proteinquellen stellen Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Sojaprodukte und Getreidearten bzw. Pseudogetreidearten wie Quinoa, Bulgur oder Hirse dar. Eine Mischung aus Protein, Ballaststoffen (Gemüse, Vollkornprodukte) und gesunden Fetten (Olivenöl, Nüsse) stellt dabei das Grundgerüst einer gesunden Ernährung dar.

Im Übrigen ist der klassische Fleischersatz, das viel verschriene Tofu (chinesisch ´dou` / „to“ und ´fu` / „fuh“ – wortwörtlich ´Bohne` + ´Käse`/ ´Gerinnung`), mittlerweile geschmacklich optimiert und lässt sich hervorragend in Gesamtgerichtskonzepte integrieren.

Wir können heutzutage aufgrund der Lebensmittelvielfalt also tatsächlich auf Fleisch gänzlich verzichten, ohne unsere Gesundheit zu gefährden bzw. unter Mangelerscheinungen zu leiden, das steht außer Frage.

Aber auch wer auf Fleisch nicht vollständig verzichten möchte, kann bei der Anschaffung, der Auswahl und der Zubereitung einen ´richtigeren` Weg wählen.

Grundsätzlich sollte immer auf die Herkunft und die Tierhaltung geachtet werden. Hier ist die Regionalität zu bevorzugen, da entsprechende Lebensmittelsiegel überprüfbar und glaubhaft sind. Die Freilandhaltung der Tiere, die Bioqualität des Fleisches und der richtige Schnitt, je nach Gericht, sichern einen gesunden und verantwortungsvollen Umgang mit Fleisch.

Das Vermeiden von stark sichtbarem Fett oder Narbengewebe bei Rind oder Schwein und das Bevorzugen unverarbeiteter Produkte ohne unnötige Zusatzstoffe sind ebenfalls sinnvolle Aspekte, um einen gesunden Fleischgenuss zu gewährleisten. Grundsätzlich muss auf das Haltbarkeitsdatum geachtet werden und die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden.

Ob nun fleischlos oder fleischhaltig – eine gesunde Ernährung ist der Grundpfeiler für unsere körperliche und geistige Gesundheit.

Also dann lassen wir es uns mit oder ohne Fleisch allumfassend schmecken!

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Eine Antwort zu „Fleischverzehr – ja oder nein?“

  1. b-c.schnabel

    Wenn ich Fleisch verwende, dann nur nur noch als wirklich kleine Beilage. Und ich kaufe direkt beim Bauern mit Weiderindern und direkt am Hof-Schlachtung und EU Schlachterlaubnis. Oder ab und an gibt’s Wildfleisch von meinem Bruder (Förster). Schwerpubkt meiner Küche ist inzwischen vegetarisch und immer häufiger auch vegan. Ich habe gerade eine ganz köstliche vegane Bolognese zubereitet (mit Sonnenblumenkernen). Vegane Schmorgerichte bekommen bei mir einfach auch ihre 2,5 Std. Zeit – und mit Zutaten von sehr guter Qualität schmeckt man tatsächlich keinen Unterschied. Und der Hafermilch-Milchschaum für meinen Kaffee wird übrigens auch perfekt.

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