´Anhedonie` bezeichnet den verminderten oder verlorengegangenen Zugang zu positiven Empfindungen wie Freude und Vergnügen. Der Begriff leitet sich aus dem Altgriechischen ab und setzt sich aus den zwei Teilen ´an-` (´ohne`) und ´ hēdonḗ` (´Lust` oder ´Freude`) zusammen. Wörtlich übersetzt bedeutet ´Anhedonie` somit ´ohne Lust` bzw. ´Freudlosigkeit`.
„Anhedonische“ Menschen erleben wenig bis gar kein Vergnügen mehr an Dingen, Aktivitäten, Erlebnissen, die sie früher als angenehm empfunden haben (z. B. soziale Kontakte, Hobbys, Essen, Sexualität, Musik).
Die Anhedonie kann sowohl emotional als auch kognitiv-affektiv auftreten. Entweder es fehlt das Gefühl der Freude und auch positive Ereignisse lösen nur eine geringe bis gar keine vergnügte Reaktion aus oder man hat Schwierigkeiten, sich auf angenehme Dinge zu konzentrieren bzw. einen Zukunftsoptimismus zu entwickeln.
Die Anhedonie ist häufig ein Kernsymptom der Depression, sie entspricht dieser aber nicht und bedarf einer klaren Differentialdiagnostik. Die Depression geht mit weiteren Kriterien einher, die nach DSM-5 / ICD-11 festgelegt sind.
Eine Anhedonie kann auch isoliert auftreten. Mit ihr gehen häufig auch eine reduzierte Motivation und ein Energieverlust einher. Die ebenfalls oft vorherrschende Unlust an sozialen Kontakten führt häufig zur sozialen Isolation. Mögliche Begleitsymptome einer Anhedonie können Schlafprobleme, Appetitveränderungen, Konzentrationsschwierigkeiten und ein allgemeines Unwohlsein sein.
Die Anhedonie tritt zudem auch als ein häufiges Symptom bei der Schizophrenie und schizoaffektiven Störungen, bei bipolaren Störungen und bei affektiven Belastungen wie beispielsweise chronischem Stress oder Traumata auf.
Neurowissenschaftlich kann der Hintergrund für eine Anhedonie in einer Dysfunktion im Belohnungssystem des Gehirns liegen, so dass es zu Veränderungen in der Verarbeitung von Belohnung und Belohnungslernen kommt. Diese gestörte Belohnungsreaktion kann in neuropsychologischen Tests sichtbar nachgewiesen werden.
Auch endokrine Störungen wie beispielweise der Schilddrüse und chronische oder neurologische Erkrankungen, bestimmte Medikamente oder auch Lebensstil- und Umweltfaktoren können der Auslöser für eine Anhedonie sein.
Eine Anhedonie kann vorübergehend oder anhaltend bestehen. Je nach Intensität und Dauer wirkt sie sich stark einschränkend auf die alltäglichen Anforderungen aus.
Einen kurzen Stillstand, einen Rückzug, weil gerade alles zu viel ist, kennen wir alle. Wenn aus diesem ´Sich-emotional-ausklinken` aber ein langfristiger ´Gefühls-Ausstieg` wird, dann sind professionelle Hilfeleistungen sinnvoll, um eine individuell passende Behandlung einzuleiten.
Neben verhaltenstherapeutischen Ansätzen stellen eine medikamentöse Anpassung und / oder die Behandlung von körperlichen Ursachen die Basis einer erfolgreichen ´Rückkehr` in die „gefühlte Lebenswelt“ dar. Auch Aktivierungstrainings, die die eigene Belohnungserwartung neu kalibrieren und das Erschaffen von Routinen, in denen kleine, erreichbare Ziele gesetzt werden, regelmäßige Bewegung, die die Belohnungswege im Gehirn reaktiviert und Entspannungstechniken gehören zu der Behandlung einer Anhedonie. Dabei müssen Rückschläge mit einkalkuliert werden und das Bewusstsein bestehen, dass eine Besserung stets Zeit benötigt.
Eine gewisse phasenweise Apathie haben wir vermutlich alle schon einmal gelebt. Es gibt Zeiten, da fühlen wir irgendwie weniger, alles geht irgendwie an uns vorbei, dringt nicht in die Tiefe. Vorübergehend ist diese ´Gefühlsarmut` manchmal sogar eine sinnvolle Strategie unserer Psyche, um vielleicht herausfordernde Zeiten zu überstehen oder eine gewisse „Standby-Funktion“ zu erzielen, die uns in eine längst überfällige Pause zwingt.
Geht uns aber der komplette Zugang zu unseren positiven Emotionen verloren, dann verlieren wir unsere Sinnhaftigkeit und den Lebensantrieb. An dieser Stelle gilt es, sich Unterstützung zu suchen.
´Anhedonie`, eine für viele von uns vermutlich neue Begrifflichkeit, deren Schweregrad und Bedeutung jedoch unbedingt ernstgenommen werden muss.
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