Von Pferden, Cowboys und Prinzessinnen …

Unendlich weite Graslandschaften, Wildwest-Romantik, galoppierende Pferdeherden – so stellen sich viele wohl den Traum vom eigenen Pferd vor. Häufig fängt er schon im Kindesalter an. Mit großen Augen werden diese mächtigen, anmutigen Wesen angehimmelt, kleine Mädchen träumen von einem Dasein als Prinzessin auf dem weißen Schimmel und furchtlose Jungs reiten als Cowboy in den Sonnenuntergang.

Egal in welchem Alter, Pferde üben auf uns eine ganz besondere Faszination aus.

Ursprünglich als Steppentier vor fast 60 Millionen Jahren auf diese Welt gekommen, entwickelten sich die Equiden im Laufe der Jahre zu beliebten Haustieren, Freizeitbegleitern und Sportkameraden. Dabei bedeutete dies für die Pferde eine enorme Anpassungsleistung.

Als Flucht- und Beutetiere waren sie plötzlich in kleinen Boxen nicht mehr in der Lage, ihrem Instinkt zu folgen, wenn sie Gefahr witterten. Der Mensch steckte sie in wackelige Anhänger und kutschierte sie durch die Lande. Hatte man sich gerade erst an neue Herdenkolleginnen und -kollegen gewöhnt und sich einigermaßen eingelebt, wurde man plötzlich wieder herausgerissen, weil der Besitzerin oder dem Besitzer irgendetwas nicht passte.

Für das Pferd als sozialintelligentes Wesen ein echtes Desaster. Obwohl es an allen Ecken und Enden tönt, das Tierwohl stünde über allem, so wird häufig jedoch nicht das Pferd gefragt, ob es sich im teuren Hochglanzstall wohlfühlt und mit den Weidekumpels gut klarkommt, sondern es sind die persönlichen Befindlichkeiten der Besitzer, die am Ende entscheidend sind.

Pferdehaltung bedeutet Verantwortung, sich auseinandersetzen mit den Bedürfnissen des equinen Begleiters und diese respektieren und achten.

Worüber sprechen wir ganz konkret?

Pferde sind, wie bereits erwähnt Fluchttiere. Dies muss man zu jeder Zeit im Hinterkopf behalten. Nicht immer werden sie in Schreckmomenten so reagieren, wie wir es für angemessen und logisch halten. Der Mensch hat die Aufgabe, dem Pferd die nötige Sicherheit zu vermitteln und mögliche Angst auslösende Momente immer wieder zu trainieren.

Pferde sind Herdentiere und sozialintelligente Wesen. Der Kontakt zu Artgenossen ist ein Grundbedürfnis und nicht zu diskutieren. Eine Einzelhaltung ist mit einem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gleichzusetzen. Für Equiden bedeutet der Herdenverbund Sicherheit. Es herrschen klar geregelte Hierarchien und jedes Mitglied der Gruppe hat sich an Regeln zu halten. Schon im Fohlenalter erlernen die Kleinsten so ganz natürlich ein gesundes Sozialverhalten, was späteren Verhaltensauffälligkeiten vorbeugen kann.

Das gleiche gilt für die Möglichkeit der gegenseitigen Fell- und Körperpflege. Das sogenannte „grooming“ ist aber weitaus mehr als eine kosmetische Maßnahme. Durch den Kontakt über die Haut werden Mediatoren im Körper freigesetzt, die wiederum für ein wohliges Gefühl und ein gesundes Wohlbefinden sorgen. Denken wir dabei doch nur mal an uns selber. Was bedeutet für uns körperliche Nähe? Ein Streicheln über die Haut? Eine sanfte Berührung? Es sind Momente voller Glück, voller Endorphine, ja wir boosten damit sogar regelrecht unser Immunsystem! Unseren Pferden geht es ebenso!

Natürlich gehört zu den wichtigsten Grundbedürfnissen auch die Nahrungsaufnahme.

Unsere Pferde sind Dauerfresser. Sie besitzen einen relativ kleinen Magen, sodass sie immer wieder über den Tag verteilt, kleinere Mengen an Raufutter aufnehmen müssen. In der freien Natur bewegen sie sich bis zu 16 Stunden pro Tag von Futterstelle zu Futterstelle und befriedigen damit gleichzeitig auch ihr großes Bedürfnis nach Bewegung.

Obendrein produziert der equine Magen unentwegt Magensäure. Diese muss durch den Speichel verdünnt werden. Steht dem Pferd nicht ausreichend rohfaserreiches Futter zur Verfügung, ist die fatale Konsequenz eine ausbleibende Speichelproduktion und damit verbunden eine zu hohe Konzentration an Säure im Magen. Die Folge daraus sind Magenschleimhautentzündungen und -geschwüre.

Auch die Kopfhaltung beim Fressen spielt für das Pferd eine große Rolle. Anatomisch gesehen ist der gesamte Bewegungsapparat auf die Futteraufnahme mit abgesenktem Kopf ausgelegt. Equiden besitzen im Wangenbereich drei Gesichtsvenensinus, die einen Blutdruckausgleich schaffen, während der Futtersuche. Zudem verringert die bodennahe Fresshaltung das Risiko von Kissing Spines, Stauchungen der Wirbelsäule im Allgemeinen und daraus resultierende Folgen für die Organe, die an der Wirbelsäule aufgehangen sind.

Schaffen wir es zu guter Letzt noch, unseren Pferden hochwertiges, rohfasserreiches Futter, mit einem geringen Stärke- und Zuckeranteil, sowie einer hohen Artenvielfalt an Kräutern und Gräsern zu bieten, haben wir schon ganz viel für das Wohl und die Gesundheit dieser Haussäugetiere getan.

Des Weiteren benötigen natürlich auch Pferde Rückzugsmöglichkeiten und Schlaf. Gerade hier ist genaues Beobachten wichtig, denn manche Pferde bekommen aufgrund einer ungünstigen Herdenkonstellation, aufgrund ihres Alters, aufgrund ihrer Stellung in der Herde, oder aus anderen Gründen, nicht genügend Zeit und Raum, um sich auszuruhen. Bei der Wahl der Stallung sollte deshalb auch ein Augenmerk darauf gelegt werden, welche Möglichkeiten bestehen, um hier individuell reagieren zu können, denn auch Schlafmangel führt über kurz oder lang zu gravierenden, körperlichen und seelischen Beschwerden.

Last but not least wäre es sinnvoll, unseren Pferden einfach öfter mal ins Gesicht zu schauen. Sie zeigen uns, wenn es ihnen unwohl ist, ja, manche Pferde „schreien“ geradezu mit ihren Augen um Hilfe. Ein wachsamer Blick, ein offener Geist und Selbstreflektion sind oftmals der Schlüssel zu einem besseren und gesünderen Miteinander.

So können wir noch viele schöne Prinzessinnen- und Cowboy-Abenteuer gemeinsam mit unseren Pferden erleben.

Für mehr Informationen zur Gesunderhaltung unserer Pferde dürfen wir unter anderem die folgenden Seminare und Studiengänge empfehlen:

SE in Nutrition Skilled Employee in Nutrition (of horses)“

SE in Metabolism in Horses Stoffwechsel-Medizin des Pferdes“

APP: Anatomie – Physiologie – Pathologie Verdauungsorgane I – IV“

Zwei Pferde kuscheln mit einer Katze

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